Allianz Menschen.Würde.Österreich zum Weltfrauentag

Geflüchtete Frauen sind Vorbilder und Multiplikatorinnen – von der Politik braucht es endlich unterstützende Weichenstellungen

„Frauen sind die wesentlichen gestaltenden Kräfte, wenn es um Integration geht. Das ist auf der Seite der Zivilgesellschaft so, die sich engagiert. Und das ist auch bei den Geflüchteten so. Anlässlich des Weltfrauentages appellieren wir an die österreichische Politik, Projekte für eine zielgerichtete, geschlechtersensible Unterstützung und Förderung für geflüchtete Frauen flächendeckend auszurollen und langfristig mit genügend finanziellen Mitteln auszustatten,“ so Christian Konrad und Ferry Maier, Initiatoren der Allianz Menschen.Würde.Österreich.

Derzeit werden geflüchtete Frauen in ihrer öffentlichen Darstellung klein gehalten. Das ist falsch. Viele geflüchtete Frauen bringen ein formal höheres Bildungsniveau als Männer mit und haben oft sehr starke Ansätze zur Bewältigung des Überlebens-Alltags bei Krieg, Flucht und Neubeginn entwickelt. Vielfach sind das unermüdliche Kämpferinnen, die der Verfolgung entkommen sind, die ihre Familien hier her durchgebracht haben und die jetzt Willen und Kraft haben, neu zu beginnen.

Geflüchtete Frauen bieten daher sowohl als Vorbilder innerfamiliär, als Multiplikatorinnen für Gesundheit, Bildung, Arbeit und Wertehaltung in ihren eigenen Communities, als auch wirtschaftlich besondere Chancen für Österreich.

Was es zur vollen Entfaltung braucht, sind Weichenstellungen der Politik und der Gesellschaft, um dieses Potential der geflüchteten Frauen für unser Land auch zu nützen. Die Politik steht am Scheideweg: Schafft sie es, die Potentiale zugewanderter Frauen in unserer Gesellschaft zu fördern und zu nutzen oder vergibt sie die Chance auf ein neues Miteinander.

 

Schwerpunkt Inklusion geflüchteter Frauen

Welche Maßnahmen es bräuchte, ist bekannt. 2019 erarbeiteten ExpertInnen* unter dem Dach der Allianz Menschen.Würde.Österreich einen umfassenden Katalog zu den Bereichen Bildung, Arbeitsmarkt, Gesundheit und Rolle der Frau. Viele der Punkte finden sich im Regierungsprogramm von ÖVP und Grünen wieder. Das ist wichtig, darf aber nicht zur Worthülse verkommen. Nachzulesen hier: www.mwoe.at/inklusion-frauen-forderungskatalog

Beispiel: Bei geflüchteten Frauen besteht vielfach der Wunsch, erwerbstätig zu werden, v.a. in Lehr- und Kulturberufen, im Gesundheitsbereich und Tourismus. Mehrfachbelastungen und -diskriminierungen erschweren den Job-Einstieg aber noch stärker als bei geflüchteten Männern bzw. als bei Frauen aus Österreich. Es ist schlichtweg keine Oma zur Stelle, wenn es für das Kleinkind keinen Platz in der Kindergrippe gibt, es gibt keinen geförderten Deutschkurs, wenn die Frau wegen Karenz dem Arbeitsmarkt nicht zur Verfügung steht.

Es braucht daher dringend eine flächendeckende und kostenlose Kinderbetreuung und die Vereinbarkeit bei allen Aus- und Weiterbildungen wie auch in Betrieben sowie flächendeckende und kostenlose Deutschkurse für MigrantInnen unabhängig von ihrem Aufenthaltsstatus. Nur so können Frauen und Mütter als Role Models in ihren Familien und Communities Chancen weitergeben.

„Unser Standpunkt ist klar: Statten wir diese Frauen mit allem aus, was ihnen auf dem Weg zu Selbstbestimmung und Teilhabe in unserer Gesellschaft hilfreich ist“, so Konrad und Maier.

 

Präambel im türkis-grünen Regierungsprogramm beachten

Konrad und Maier erinnern an die Präambel im Regierungsprogramm und an die dort festgeschriebene “Verantwortung … gegenüber den Menschen in Österreich” an die “Gesellschaft, die sich aktiv für alle einsetzt”.

(Auszug): „Außerdem setzen wir uns ein für echte Chancengleichheit – für alle Bürgerinnen und Bürger. Respekt voreinander und vor den gemeinsamen Regeln. Wir wollen eine Gesellschaft, die sich aktiv für alle einsetzt – und in die sich alle aktiv einbringen.

Mit diesem Programm übernehmen wir Verantwortung – gegenüber den Menschen in Österreich und gegenüber dem Parlamentarismus und dem guten Miteinander, gegenüber dem Wert des Kompromisses und des Austausches für die Demokratie.“

„Diese Sätze aus der Präambel zum Regierungsprogramm legen die Latte für die beiden Regierungsparteien hoch – auch im Blick auf die Chancengerechtigkeit gegenüber Frauen mit Fluchtgeschichte”, so Konrad und Maier.

 

*Ein Dankeschön an die ExpertInnen, die den Schwerpunkt zum Leben erweckt haben: WissenschafterInnen, wie Judith Kohlenberger von der WU Wien, ExpertInnen aus dem Bereich Bildung und Arbeitsmarkt, wie Manuela Vollmann von abz*austria und aus dem Gesundheitsbereich Nora Ramirez Castillo von Hemayat. Aber auch VertreterInnen von Diakonie Flüchtlingshilfe, AMS, tralalobe, FEM Süd, Sozialmedizinischer Dienst, Rotes Kreuz, Center for Health and Migration, Core Zentrum, MA17 der Stadt Wien, Frauenhäuser, Dachverband der Sozialeinrichtungen, LEFÖ Beratung, Bildung und Begleitung für Migrantinnen u.a.m.

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