re-bike.at – Fahrräder als kleiner Baustein der Integration.

re-bike.at – Fahrräder als kleiner Baustein der Integration.

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Re-bike.at ist eine Privatinitiative in Linz, gegründet mit dem Ziel, geflüchteten Menschen Fahrräder zur Verfügung zu stellen um ihnen dadurch zu mehr Mobilität zu verhelfen.

Im November 2015 eröffnete Bernhard Zoidl – der Gründer der Initiative – seine Werkstatt im Flüchtlingsheim Altenbergerstraße. Heute befindet sich die Werkstatt bei ihm zuhause, da das Flüchtlingsheim geschlossen wurde. Den Großteil eines ganzen Stockwerks hat er dafür leer geräumt, so dass die aktuell 5 reparierten und 26 zu reparierenden Fahrräder Platz finden. „Im Moment ist meine Werkstatt privat. Bei passender Gelegenheit eröffne ich wieder eine für Geflüchtete zugängliche Werkstatt im Zentralraum. Bei gesicherten finanziellen Mitteln könnte man dort sogar zwei bis drei Leute beschäftigen“, so Bernhard Zoidl. Bis heute wurden insgesamt 180 Fahrräder an geflüchtete Menschen im Raum Oberösterreich ausgeliefert.

Wenn Kinderaugen leuchten..

Die Idee dazu kam ihm während eines persönlichen Erlebnisses im September 2015. Da besuchte er nämlich mit drei geflüchteten Kindern aus Syrien ein Fahrradgeschäft in Linz. Als er deren Kinderaugen beim Anblick der bunten Fahrräder leuchten sah, konnte er nicht anders, als jedem von ihnen ein Fahrrad zu schenken. „Die Kinder konnten es damals kaum fassen und mir ging bei dem Anblick das Herz auf“, erzählt er. Es stellte sich in Gesprächen mit den Besitzern des Fahrradgeschäfts heraus, dass grundsätzlich ein hoher Bedarf an Rädern besteht, da geflüchtete Menschen –  gerade in Gebieten, in denen die öffentliche Verkehrsanbindung unzureichend ist – auf Fortbewegungsmittel angewiesen sind, da sie oft längere Strecken zu Behördengängen, Deutschkursen oder zum Einkauf, zurücklegen müssen. Also begann Bernhard Zoidl gebrauchte Fahrräder aus seinem Umfeld einzusammeln und zu reparieren und verteilte sie dann über Initiativen an geflüchtete Menschen.

 

Mobilität heißt Lebensqualität.

Mobilität ist ein Grundbedürfnis des Menschen. Für Geflüchtete – sowohl unbegleitete Jugendliche sowie Erwachsene – ist Mobilität essentiell, da sie oft lange Strecken zu Behörden, Schulen und Deutschkursen zurücklegen müssen, die zu Fuß nicht zu überwinden wären. Die Kosten für öffentliche Verkehrsmittel sind für sie oftmals nicht erschwinglich. Für geflüchtete Kinder sind Fahrräder zudem nicht nur Spielzeug, sondern auch ein Stück Normalität, Spaß und Ablenkung, zumindest bei uns in Österreich. „Ich wurde einmal von einem syrischen Bub gefragt, ob ich denn kein Auto habe und ob ich arm bin, weil ich mit dem Fahrrad fahre“, erzählt Bernhard Zoidl. „Da wo er herkommt, bedeutet ein Fahrrad zu besitzen, arm zu sein.“

Fahrräder bieten auch die Möglichkeit zur Knüpfung von Sozialkontakten durch gemeinsame Aktivitäten. Einmal im Quartal organisiert Bernhard Zoidl deshalb eine gemeinsame Radtour, an der sowohl Geflüchtete teilnehmen, die ein Fahrrad von ihm bekommen haben, als auch jene Menschen, die Fahrräder gespendet haben. So können sich Empfänger und Spender kennenlernen. Alle Beteiligten nutzen die Ausflüge zum kulturellen Austausch, Einheimische und Geflüchtete lernen sich zudem besser kennen. Am Ende gibt es ein großes Buffet bei dem auch kulinarische Vielfalt geboten wird, da jeder Teilnehmer der Radtour ein Gericht aus seinem Heimatland mitbringt.

Wie funktioniert re-bike.at?

Re-bike.at freut sich über gebrauchte Räder aller Art. „Wir nehmen Räder aus dem Raum Oberösterreich an und verteilen diese auch wieder dort. Schwerpunkt ist der Großraum Linz. Für Abholungen und Anlieferungen nehmen wir uns einen Tag in der Woche Zeit, gerne können dafür auch Termine vereinbart werden“, erklärt Bernhard Zoidl. Vom alten bis zum neuen Fahrrad, vom e-Bike bis zum Triathlonrad war schon alles dabei.

Wenn auch nicht mehr ganz fahrbereit, sollte das Fahrrad zumindest in einem halbwegs guten Zustand sein. Einzelne kleinere Schäden, wie kaputte Reifen, Bremsen, eine kaputte Kette, Lichtanlage oder Schaltung, sowie ein fehlender Sattel stellen kein Problem dar. Räder mit gebrochenen oder durchgerosteten Rahmen können nicht angenommen werden. Pro Rad werden ca. 40 Euro in Ersatzteile investiert, Bremsen und Beleuchtung werden bei jedem Rad kontrolliert und bei Bedarf getauscht, damit es wieder funktionstüchtig wird und auch StVO-konform ist. Jedes Rad wird zudem mit einem Fahrradschloss ausgeliefert. Kindern wird – je nach finanziellen Möglichkeiten – auch ein Helm zum Rad mitgegeben, sowie eine Broschüre zur freiwilligen Fahrradprüfung des Österreichischen Jungendrotkreuzes, in der die Fahrrad- und Verkehrsregeln erklärt werden. Ein Übergabedokument, auf dem auch der Spender des Fahrrads angeführt ist (sofern er das möchte), ist obligatorisch.

Die reparierten Fahrräder werden ausschließlich über Organisationen, Initiativen, Vereine oder Einzelpersonen vergeben, welche geflüchtete Menschen betreuen bzw. beherbergen. Diese melden sich in der Regel bei Bernhard Zoidl selbst, da sich das Projekt bereits im ganzen Bundesland herumgesprochen hat. Für all jene, die kein Rad zum Spenden haben, aber re:bike.at dennoch unterstützen möchten, gibt es auch die Möglichkeit das Projekt durch eine freie Spende finanziell voranzutreiben.

      

Alle Fotos (c) re-bike.at / Bernhard Zoidl