Kick it like Kärnten

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Normalerweise kommt zuerst die Idee und dann die Finanzierung. Bei „Sports with Refugees“ war es genau umgekehrt: Das Internationale Olympische Komitee (IOC) stellte über alle Olympiazentren Geld für Sportprojekte mit Flüchtlingen zur Verfügung. Für Kärnten übernahm der erfahrene Sportpsychologe, Referent und Coach Robert Korb die Leitung. Doch obwohl Geld vorhanden war, sei das Projekt nur schleppend in die Gänge gekommen, erzählt er.

„Viele Sportvereine waren anfangs äußerst zurückhaltend“, sagt Korb. Fragebögen, durch die er erfahren wollte, welche Sportarten die Asylwerber bereits kannten oder was sie gern ausprobieren würden, seien teils nicht weitergegeben worden. Nur schwer habe er Zugang zu Sportplätzen und -hallen bekommen („Wer putzt hinterher?“, hieß es). Manch ein Fußballverein habe sich sogar zerstritten, weil ein Teil der Mitglieder Asylwerber aufnehmen wollte, ein anderer Teil nicht. Die letzten zweieinhalb Jahre haben aber auch gezeigt, dass sich Hartnäckigkeit bewährt.

Gemeinsam an einem Strang ziehen

Der Erste, der sich bei Robert Korb für eine Zusammenarbeit meldete, war Siegfried Stupnig, Träger des Ute-Bock-Preises für seine Arbeit mit Menschen aus Tschetschenien. Mit seiner Hobbymannschaft nahm er mehrmals an Turnieren teil. „Wir trainieren ja ein- bis zweimal pro Woche“, sagt er, „zusätzliche Turniere waren für uns eine tolle Sache.“

An einem Strang mit „Sports with Refugees“ zog auch die Gemeinde Kötschach-Mauthen: der Bürgermeister, der Sportverein samt seinem Nachwuchsleiter sowie die pensionierte Ethnologin Ilse Strobl, die sich seit sieben Jahren in der Flüchtlingsarbeit engagiert. „Die haben das Training sehr professionell aufgezogen“, sagt Korb. Strobl brachte zu Veranstaltungen gleich einen Bus voller Sportler mit.

Groß angelegt waren schließlich die „Sichtungstrainings“ des Kärntner Fußballverbands in zehn Gemeinden quer durch Kärnten: Professionelle Trainer nahmen dabei das Spiel 140 fußballbegeisterter Asylwerber unter die Lupe. Jeden vierten schätzten sie als so talentiert ein, dass sie ihn an einen Verein weitervermittelten.

Neben dem Kicken versuchten und versuchen sich Asylwerber in ganz Kärnten im Klettern und Schwimmen, im Bogenschießen, Kraftsport und in der Selbstverteidigung.

Integration bedeutet auch Inhalte zu vermitteln

Als die Finanzierung des IOC nach neun Monaten auslief, wollte Korb das Projekt jedenfalls weiterführen, da die Sache ja gerade erst in Schwung kam. Das Land Kärnten unter Landeshauptmann Peter Kaiser (SPÖ) erklärte sich bereit einzuspringen. Die Förderung läuft nach wie vor.

Projektleiter Korb ist es wichtig, über den Sport einerseits Menschen zusammenzubringen, aber auch Inhalte zu vermitteln. Man müsse Asylwerber darauf vorbereiten, „dass sie wahrscheinlich auch provoziert werden – und dass es dann darum geht, nicht darauf einzusteigen“.

Bei Matches setzt Korb gerne einen Asylwerber und eine Frau gemeinsam als Schiedsrichter ein. Die Idee: Kriegt der Flüchtling rassistische Sprüche an den Kopf geworfen, gibt die Schiedsrichterin ihm Rückendeckung. Wird sie umgekehrt sexistisch als „Schlampe“ beschimpft, unterstützt der Mann sie gegen diese Beleidigung.

Weil nur ein Zehntel der Projektteilnehmer Frauen sind, bemüht Korb sich speziell um die Asylwerberinnen. Zu den von ihm abgehaltenen Kletterkursen holte er eine Trainerin dazu. Beim Aktionstag am Universitätssportinstitut (USI) in Klagenfurt, an dem die Flüchtlinge unterschiedlichste Sportarten ausprobieren können und der heuer zum dritten Mal stattfindet, kommt diesmal extra eine professionelle Kickboxerin, um so bei Frauen Interesse für den Kampfsport zu wecken.

Zwischenzeitig waren 167 Asylwerber in 155 Kärntner Vereinen angemeldet. Heute sind es weniger, weil etliche Kärnten verlassen haben. Andere brauchen „Sports with Refugees“ heute nicht mehr. Jene Kicker zum Beispiel, um die sich Flüchtlingsbetreuerin Strobl im Gailtal kümmerte. „Diejenigen, die noch bei uns im Gailtal sind“, sagt Strobl, „die spielen heute gemeinsam mit den Dasigen.“

 

Besuch: Gerlinde Pösler

Fotos: www.sports-with-refugees.at