Integration – So gelingt sie!

Die Allianz “Menschen.Würde.Österreich” präsentiert vielfältige Erfolgsgeschichten der Integration in Städten und Kommunen.

Die ehemaligen Flüchtlingskoordinatoren und Initiatoren der Allianz “Menschen.Würde.Österreich” – Dr. Christian Konrad und Dr. Ferry Maier – präsentierten am Montag, 11. März 2019 im Salon von Fremde werden Freunde Positivbeispiele der Integration aus Stadt und Land, die Chancen und Herausforderungen für ein neues Miteinander zeigen. Dabei räumen sie mit Mythen auf. Gleichzeitig ist dies die Vorschau auf die Integrationsenquete am Samstag, 16.März 2019 mit Bart Somers, dem weltbesten Bürgermeister aus 2016, sowie hochrangigen VertreterInnen aus Landespolitik, Kirchen und Glaubensgemeinschaften.

Ein Neues Miteinander – Chancen und Herausforderungen.

Viel wird aktuell darüber diskutiert, ob Integration überhaupt gelingen kann. Eine Diskussion, die weit weg ist vom Alltag jener Gemeinden, Einrichtungen und UnterstützerInnen, die tagtäglich die Chancen und Herausforderungen unseres neuen Miteinanders erleben – und konkret handeln müssen.

Anhand von vier Beispielen zeigen wir ganz unterschiedliche Ansätze: das gute Zusammenwirken in der steirischen Gemeinde Kumberg (Norbert Johne vom Verein „Kumberg – wir wollen teilen“), die Erfolgsrezepte in österreichischen Städten (Dr. Thomas Weninger, Generalsekretär des Österr. Städtebundes), das Streben nach Beschäftigung des syrischen Flüchtlings Jad Turjman, sowie Bildungschancen für Jugendliche in einer Übergangsklasse am Abendgymnasium Wien (Direktor Mag. Klaus Brandl und Schülerin Safa Al Rufaije).

Kritik An Zerstörung des Neuen Miteinanders

Christian Konrad: „Viele Geflüchtete engagieren sich als NachbarInnen, FreundInnen, MitschülerInnen, KollegInnen für ein neues Miteinander. Sie tun, was von ihnen erwartet wurde – trotzdem leben sie in Angst und Unsicherheit ohne fixen Aufenthaltstitel. Das halten wir für falsch! Uns geht es darum, jene zu stärken, die gemeinsam für ein gelingendes Zusammenleben arbeiten wollen.“

Faktencheck gegen Nebelgranaten

Immer wieder hört man die Unterstellung, „es seien zu viele Geflüchtete, so könne Integration nicht gelingen“ – um wie viele Personen geht es wirklich?

Zur Einordnung: Weltweit sind 68,5 Millionen Menschen auf der Flucht, 85% davon suchen Sicherheit in Entwicklungsländern ihrer Region. Nur 3,1 Millionen Menschen davon haben Asyl beantragt. Davon sind ab 2015 rund 170.000 Menschen nach Österreich gekommen. Im Jahr 2018 wurden insgesamt 13.400 Asylanträge in ganz Österreich gestellt, aktuell pro Monat rund 1.000 neue Anträge – das liegt im langjährigen Schnitt. Derzeit (26.2.2019) sind in ganz Österreich: 40.600 Personen in Grundversorgung der Länder. Zum Vergleich: Das Ernst-Happel-Stadion fasst 50.965 Menschen. Die meisten Grundversorgten leben in Wien: 14.656 Personen (= 0,78% der Wiener Gesamtbevölkerung).

Generell erfolgt die Zuteilung der AsylwerberInnen in die Grundversorgung der Bundesländer nach einem Schlüssel im Verhältnis zur Wohnbevölkerung, somit wird niemand „überlastet“. „Diese Zahlen belegen KEINE Überforderung der Republik. Keine 2% der gesamten Staatsausgaben entfallen auf Ausgaben in Verbindung mit geflüchteten Menschen: 2 Milliarden von 180 Milliarden Euro. Was also soll die Neiddebatte, die Hetze?“, fragt Konrad.

Verunsicherungen ..

.. durch Aberkennungsverfahren: 5.438 Mal hat das BFA von Jänner bis November 2018 versucht geflüchteten Menschen den Asylstatus abzuerkennen. 652 Mal hat das zur Aberkennung geführt, in 12% der Fälle. Zu 100% schaffen BFA und BMI aber mit diesem Vorgehen Verunsicherung und Entmutigung – bereiten damit den Boden für Unsicherheit.

.. durch verkürzte Darstellung bei Abschiebungen: BM Kickl präsentierte die Abschiebe-Statistik für 2018 zuletzt nur verkürzt, wodurch der Eindruck entstand, dass v.a. Asylwerbende abgeschoben würden. Ö1-Recherchen haben gezeigt: Über 60 Prozent der gesamt 4.700 abgeschobenen Personen sind EuropäerInnen!

„So wie viele Bundes-Politikerinnen und Politiker, wie teils auch Medien mit dem Thema Zuwanderung umgehen, das ist gefährlich. Wir wollen einladen, sich den Blick nicht durch Nebelgranaten und vereinfachende Schlagzeilen trüben zu lassen. Denn es ist eine Erfahrung, die wir immer wieder machen: Integration gelingt in Österreich. Gemeinden, NGOs, Institutionen und Ehrenamtliche arbeiten tagtäglich mit neuen MitbewohnerInnen zusammen. Österreich lebt seit Jahren in Wirtschaft, Kultur und Sport von der Vielfalt durch Zuwanderung. Integration ist daher längst selbstverständlich und notwendig!“, so Christian Konrad.

 

 

Positivbeispiele der Integration

Gemeinde Kumberg für ein neues Miteinander

Vier Familien aus Syrien, dem Irak und Nigeria haben im steirischen Kumberg ein neues Zuhause gefunden. Das neue Miteinander funktioniert sehr gut, v.a. durch das gute Zusammenwirken von Gemeinde, Caritas und Ehrenamtlichen. Über einhundert Mitglieder des ehrenamtlichen Vereins „Kumberg – wir wollen teilen“ bieten z.B. Deutschkurse und Lernbegleitung, Verfahrenshilfe, gemeinsame Unternehmungen für eine offene Gesellschaft, Hilfe bei der Vermittlung von Arbeitsmöglichkeiten und finanziell bei Ausgaben für diverse Aktivitäten. Die neuen MitbewohnerInnen sind mitten in der Gesellschaft in Kumberg angekommen, im Ernstfall kämpfen die KumbergerInnen für den Verbleib ihrer neuen NachbarInnen.

Übergangslehrgänge am Bundesgymnasium für Berufstätige

Im Herbst 2016 startete das BMUKK ein Lehrgangsangebot für Jugendliche, die schon im Herkunftsland eine allgemeinbildende höhere Schule besucht haben, aber durch Brüche in der Schullaufbahn oder noch mangelnde Deutschkenntnisse, noch nicht erfolgreich am Regel-Unterricht der AHS-Oberstufe teilnehmen können.

Am Abendgymnasium fanden im Schuljahr 2016/17 drei Lehrgänge statt, im darauffolgenden Jahr waren es ebenso drei und aktuell finden zwei Lehrgänge zu jeweils 15 – 20 Studierenden statt. Dies Lehrgänge wurden an mehreren Schulen Wiens eingerichtet und an das Gymnasium für Berufstätige wurde hauptsächlich Studierende zugeteilt, die großteils 17 Jahre und älter waren und die an einer Tagesschule nur sehr schwer weiter in einer Klasse untergebracht werden konnten.

Ca. 50% konnten auch im folgenden Semester auf Grund ihrer Leistungen in Deutsch, Mathematik und Englisch am Gymnasium für Berufstätige weiter inskribieren. Frau Safa Al Rufaie ist eine Studierende, die unseren Lehrgang im Schuljahr 2016/17 besuchte und nun erfolgreich im 4. Semester an der Abendschule inskribiert ist.

Jad Turjman mit Beschäftigung zu neuen Perspektiven

Jad Turjman ist aus Syrien nach Europa geflüchtet und in Salzburg angekommen. Noch während seines Verfahrens hat er ehrenamtlich beim Arbeiter-Samariterbund mitgeholfen, nun – als Asylberechtigter – ist er Projektleiter von „Heroes – gegen Unterdrückung im Namen der Ehre“ für Gleichstellung und Kultur-Vermittlung an Schulen tätig. Vor kurzem hat er das Buch über seine Flucht veröffentlicht: „Wenn der Jasmin auswandert“.

Städtebund über Integration in der Großstadt

Über den Fachausschuss für Integration vernetzt der Städtebund die Integrationsbeauftragten der Städte und bildet damit eine wichtige Schnittstelle zu den Freiwilligen-Netzwerken. Der Fachausschuss unter Bürgermeister Matthias Stadler (St. Pölten) trifft sich regelmäßig zum Erfahrungsaustausch.

„Nirgendwo liegen Probleme und ihre Lösungen so nahe beisammen wie auf kommunaler Ebene: unsere BürgermeisterInnen reden nicht, sondern sie handeln, Tag für Tag. Integration wird in Städten und Gemeinden gelebt, weil eine gelungene Integration ein gutes Zusammenleben für alle bedeutet“, Thomas Weninger, Generalsekretär des Österreichischen Städtebundes.

Perspektive “Arbeit” und Modernes Bleiberecht

Immer wieder hört man das Vorurteil, „Geflüchtete kämen nur wegen unseres Sozialsystems und wollen nicht arbeiten“.

Asylwerbende DÜRFEN NICHT arbeiten während ihres oft jahrelangen Verfahrens, mit wenigen Ausnahmen. Bis vor kurzem war eine Ausnahme die Lehre in Mangelberufen – auch diese wurde von der Bundesregierung für Asylwerbende nun geschlossen.

Rund 1.000 junge Asylwerbende bis 25 Jahre hatten in den letzten Jahren eine Lehre in Mangelberufen gestartet, also genau in jenen Bereichen, wo Betriebe schon händeringend nach Arbeitskräften gesucht haben. Nun sind diese Asylwerbenden häufig dennoch von Abschiebungen bedroht, dürfen ihre Ausbildung nicht fertig machen und werden den Betrieben wieder genommen. Die ö. BReg hat es bisher verabsäumt – anders als Deutschland- hier eine Regelung zu schaffen, die diese win-win-Situation anerkennen würde.

Wir, die Allianz MWÖ fordern daher ein „Modernes Bleiberecht“, geregelt über das Niederlassungs- und Aufenthaltsrecht, also ganz unabhängig vom Asylverfahren, unter Mitsprache der Länder und Gemeinden. Es braucht dringend einen Aufenthaltstitel für Menschen, die unsere Gesellschaft bereits jetzt tatkräftig stützen.

Knapp 27.000 Menschen unterstützen die Petition bereits unter aufstehn.at/modernes-bleiberecht.

Eine Studie der GAW im Auftrag der Tiroler Landesrätin Gabi Fischer zeigt: Ab dem 5. Aufenthaltsjahr sind geflüchtete Menschen NettozahlerInnen.

Zahlen des AMS Österreich zeigen: Schon 37,2 % jener Asylberechtigten, die 2015/16 gekommen sind, waren bis Ende 2018 in den Arbeitsmarkt integriert.

Vorschau Integrationsenquete am 16.märz 2019

 Chancen und Herausforderungen eines neuen Miteinanders beschäftigen uns auch bei der Integrationsenquete am 16. März im Wiener Erste Campus.

Zuerst diskutieren Kardinal Christoph Schönborn, Pfarrer Michael Chalupka, Präsident Ümit Vural und die Theologin Regina Polak über Religionsfreiheit im Jahr 2019, danach werden LRin Gabriele Fischer, LR Rudi Anschober, StR Peter Hacker und Gemeindebundpräsident Alfred Riedl nach Kosten und Nutzen der Fluchtbewegung und Integration gefragt.

Sein Erfolgsrezept gegen soziale Probleme in der belgischen Einwanderungsstadt Mechelen erzählt Bürgermeister Bart Somers, weltbester Bürgermeister 2016, zugespitzt: ein Mix aus law-and-order-Politik und allumfassender Integration.

Die 90.000 Einwohner-Stadt Mechelen hatte einst das Image als dreckigste Stadt Belgiens. Doch Bart Somers hat sie seit 2001 wieder aufgerichtet. Er hat die Kriminalitätsrate dramatisch gesenkt, kein einziger Jugendlicher aus seiner Stadt hat sich dem IS angeschlossen. Als Vergleich: Aus Brüssel und Antwerpen, und selbst aus viel kleineren Städten, als es Mechelen mit seinen rund 85.000 Einwohnern ist, waren es mehr als 500.Trotz 138 Nationalitäten und 20 Prozent muslimischem Bevölkerungsanteil klappen Integration und Inklusion wunderbar.
Heute ist Mechelen eine der sichersten, saubersten Städte Belgiens, die Bevölkerung wächst wieder, die Integrationspolitik gilt in Europa als vorbildhaft. Die Stadt ist zusammengewachsen, über alle sprachlichen, religiösen und kulturellen Grenzen hinweg.

Keine österreichische Gemeinde kennt eine derartig zugespitzte Situation. Trotzdem gibt es Lösungsansätze aus Mechelen, die für GemeindevertreterInnen, Zivilgesellschaft und Ehrenamtliche in ihrer täglichen Arbeit mit geflüchteten Menschen hilfreich sein können.

In Kooperation mit

Bildergebnis für logo erste campusBildergebnis für logo städtebund            Ã„hnliches Foto 

RÜCKFRAGEHINWEISE:                

Peter Wesely & Tina Schmoranz

Pressesprecher Dr. Christian Konrad / Allianz „Menschen.Würde.Österreich“

Tel.: 0664 183 81 40 oder 0676 68 44 156

E-Mail: p.wesely@vwfi.at oder schmoranz@mwoe.at

Share This