Integration durch Sprache: Der ganz besondere Deutschunterricht

Integration durch Sprache: Der ganz besondere Deutschunterricht

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Es war Anfang 2015, als Stephanie Schmid bewusst wurde, wie wenig brauchbar herkömmliche Deutschlehrbücher für Flüchtlinge sind. In ihrem Heimatort Klosterneuburg half sie Asylwerbern, erste Wortfetzen Deutsch zu lernen. „In herkömmlichen Lehrbüchern steht in Kapitel eins, wie man im Restaurant bestellt und ein Hotelzimmer reserviert“, sagt sie, „Asylwerber brauchen aber ganz andere Vokabel.“ Also entwarf Schmid mit anderen Freiwilligen den Deutschkurs „deutsch.fit“, der im September 2015 online ging. Diese kostenlosen modulare Deutschlernunterlagen sind gezielt auf die Bedürfnisse geflüchteter Menschen abgestimmt. Hier lernen Asylwerber gleich zu Beginn, Tage, Uhrzeiten und wichtige Ausdrücke, die sie in ihrem Asylverfahren verstehen müssen.

Weil Schmid hauptberuflich Sprecherin im ORF ist, bat sie einen Bekannten, ihr sein Tonstudio zu leihen. Dort sprach sie sämtliche Lernwörter ein, „damit die Flüchtlinge auch gleich lernen können, sie richtig auszusprechen“. Zusätzlich gibt es Programme für das Smartphone, damit die Flüchtlinge auch unterwegs üben können.

Mehr als 800.000-mal wurden die Lernunterlagen bereits angeklickt. „Für mich ist Sprache nicht nur wichtig, weil sie mein Beruf ist“, sagt Schmid, „sie ist auch der erste Schritt zur Integration. Wenn wir uns verstehen, sind wir einander nicht mehr fremd.“

Weil aber Deutsch sprechen alleine nicht reicht, um in Österreich anzukommen, veröffentlichte deutsch.fit Ende 2017 auch „Österreich 1“ und „Österreich 2“. „Da erfahren Flüchtlinge alles, was sie über unser Land wissen müssen“, sagt Schmid, „etwa Österreichs Geschichte, Politik, Geografie, aber auch Kultur und Natur.“ Mozart ist da genauso dabei wie Arnold Schwarzenegger oder Christine Nöstlinger, Tracht und Buschenschank werden genauso erklärt wie der Opernball und das Frequency Festival.

Das Vorwort zu den Österreich-Erklärbüchern hat ein ganz besonderer deutsch.fit-Fan verfasst: der berühmte Journalist und Österreich-Erklärer Hugo Portisch.

 

 

Bericht: Nina Horaczek

Fotos: deutsch.fit