Inklusion geflüchteter Frauen – Forderungskatalog an die Politik

Rund 40% der aktuell nach Österreich geflüchteten oder per Familiennachzug nachgeholten Menschen sind Frauen. Sie sind mit teils spezifischen Gefahren und Herausforderungen schon in ihrem Heimatland, auf der Flucht und dann in Österreich konfrontiert, mit möglichen Auswirkungen auf ihr (psychisches) Wohlergehen. Gleichzeitig bringen viele geflüchtete Frauen ein formal höheres Bildungsniveau als Männer mit und haben oft sehr starke Ansätze zur Bewältigung des Überlebens-Alltags entwickelt. Sie bieten daher sowohl gesellschaftlich – z.B. als Multiplikatorinnen oder Vorbilder für Gesundheit, Bildung, Arbeit und Wertehaltung in ihren eigenen Communities – als auch wirtschaftlich besondere Chancen für Österreich. So besteht bei geflüchteten Frauen vielfach der Wunsch, erwerbstätig zu werden, v.a. in Lehr- und Kulturberufen, im Gesundheitsbereich und Tourismus. Aber es braucht Weichenstellungen der Politik und der Gesellschaft, um dieses Potential der geflüchteten Frauen für unser Land auch zu nützen.

Die Allianz „Menschen.Würde.Österreich“ hat den Schwerpunkt “Inklusion geflüchteter Frauen” ins Leben gerufen und mit ExpertInnen notwendige Maßnahmen für Frauen im Bereich der Integration bei Bildung, Arbeitsmarkt und Gesundheit erarbeitet. Gemeinsam fordern wir von der Politik die Aufnahme frauenspezifischer Maßnahmen in die anstehenden Sondierungsgespräche und Regierungsverhandlungen, eine entsprechende Resolution mit den dringlichsten Erfordernissen wird heute an die Spitzen der in den Nationalrat gewählten Parteien übermittelt.  

Dr. Christian konrad – Allianz “Menschen.Würde.Österreich”

„Frauen sind die wesentlichen gestaltenden Kräfte, wenn es um Integration geht. Das ist auf der Seite der Zivilgesellschaft so, die sich engagiert. Und das ist auch bei den Geflüchteten so. Frauen haben hier eine Schlüsselposition – als Töchter, Mütter, Partnerinnen – egal ob noch während ihres Asylverfahrens oder nach dem Bescheid. Dem tragen wir als Allianz Menschen.Würde.Österreich mit dem Schwerpunkt „Inklusion geflüchteter Frauen“ Rechnung. Grundsätzlich geht es darum, dass wir als demokratisch, aufgeklärte Gesellschaft Menschen Hilfe zur Selbsthilfe geben, damit sie an der Gesellschaft teilhaben können. Dazu kommt, dass für uns kein Zweifel daran besteht: Wenn wir in Österreich wirtschaftlich auch weiterhin erfolgreich sein wollen, dann müssen wir die Chancen durch Zuwanderung nützen.“

Von Beginn der Fluchtbewegung aus Syrien und Afghanistan im Jahr 2015 an, war es die Zivilgesellschaft, laut IFES-Erhebung zu 64% Frauen, die wichtige Aufgaben der Versorgung, Aufnahme und Integration der Schutzsuchenden unkompliziert und höchst engagiert übernommen hat.

Ziel der Allianz “Menschen.Würde.Österreich” ist es, das Engagement der Zivilgesellschaft im Einsatz für geflüchtete Menschen in, sowie die Chance durch diese neuen MitbewohnerInnen für Österreich sichtbar zu machen und diesen Themen im öffentlichen Diskurs eine höhere Priorität einzuräumen.

So haben wir im Frühjahr 2019 den Schwerpunkt „Inklusion geflüchteter Frauen“ gesetzt und Forderungen für eine Resolution erarbeitet, in den Bereichen Gesundheit, Bildung, Arbeit und Rolle der Frau. Es geht um konkrete Erfahrungen unterschiedlicher Einrichtungen für geflüchtete Frauen, um strukturelle Hürden und Erfordernisse- und um brach liegende Chancen durch diese Frauen für unsere Gesellschaft.

Ein Dankeschön an die ExpertInnen, die den Schwerpunkt zum Leben erweckt und die Resolution mit Inhalten befüllt haben: WissenschafterInnen, wie Judith Kohlenberger von der WU Wien, ExpertInnen aus dem Bereich Bildung und Arbeitsmarkt, wie Manuela Vollmann von abz*austria und aus dem Gesundheitsbereich Nora Ramirez Castillo von Hemayat. Aber auch VertreterInnen von Diakonie Flüchtlingshilfe, AMS, tralalobe, FEM Süd, Sozialmedizinischer Dienst, Rotes Kreuz, Center for Health and Migration, Core Zentrum, MA17 der Stadt Wien, Frauenhäuser, Dachverband der Sozialeinrichtungen, LEFÖ Beratung, Bildung und Begleitung für Migrantinnen u.a.m.

Dr.in Judith kohlenberger – Institut für sozialpolitik, wu wien

www.wu.ac.at/sozialpolitik

über Chancen und Herausforderungen von Frauen im Integrationsprozess, Daten und Fakten:

„Seit einigen Jahren finden geflüchtete Frauen vermehrt den Weg nach Österreich, sind jedoch mit spezifischen Herausforderungen konfrontiert, wenn es um ihre Teilhabe an der Aufnahmegesellschaft geht. Sie nehmen Beratungsangebote seltener in Anspruch als Männer und sind aufgrund ihrer Kriegs- und Fluchterfahrungen häufiger mit Angstgefühlen, Trennungsverlust von ihren Kindern und gesundheitlichen Beeinträchtigungen konfrontiert. Während weibliche Geflüchtete oft ein ebenso hohes oder sogar höheres formales Bildungsniveau als Männer aufweisen, wird dieses viel seltener auf dem Arbeitsmarkt eingesetzt. Dabei ist die Förderung der strukturellen und sozialen Integration von Frauen zentral für die Aufnahmegesellschaft, da ihnen eine Schlüsselrolle bei der Integration ihrer Familie zukommt. Sie fungieren als innerfamiliäre Vorbilder, Wertekompass für die nächste Generation und Multiplikatorinnen in der eigenen Community. In ihrem Umfeld können sie wichtige Denk- und Handlungsprozesse in Richtung Gleichberechtigung und weiblicher Selbstbestimmung anstoßen. Damit geflüchteter Frauen dieses Potential am Arbeitsmarkt und in der Gesellschaft einsetzen können, bedarf es zielgerichteter, geschlechtersensibler Unterstützung und Förderung.“

Mag.a Manuela vollman – abz*austria

www.abzaustria.at

über die Arbeit mit geflüchteten Frauen bei abz*austria, konkrete Beispiele und Forderungen in den Bereichen Bildung und Arbeitsmarkt an die Politik.

Zwei Beispiele aus den Kompetenzchecks: Eine Iranerin spricht schon auf B2-Niveau Deutsch, hat sich im Zuge des Kompetenzchecks bei uns ihre Ressourcen bewusst gemacht. Sie hatte Matura mit naturwissenschaftlichem Schwerpunkt und wollte sich in Österreich ihren Wunsch nach einem Job in der IT erfüllen. Nach einem College-Abschluss hat sie eine zukunftsträchtige Stelle als Netzwerktechnikerin gefunden, verdient selbstständig ihr Geld. Eine andere Klientin stammt aus Afghanistan und hat uns zuerst erzählt, dass sie nichts kann. Sie sagte dies, weil sie niemals eine formale Bildung genossen hat. Auf unsere Frage hin, was sie denn den ganzen Tag gemacht habe, erzählte sie, dass sie für Hochzeitsgesellschaften gekocht und gebacken hat, zudem auch geschneidert und sogar die Schnitte gezeichnet hat. Ihr Wunsch war es dann, in der Bekleidungsbranche tätig zu werden. Sie ist – auch dank ihrer Kreativität – auf einem guten Weg. „Allein aus diesen beiden Beispielen zeigt sich: Definitiv muss der KompetenzCheck für Frauen ausgebaut werden!“

„Alle bei uns betreuten Frauen mit Fluchtgeschichte einte der Wunsch nach Bildung und einem Job. Es ist das Gebot der Stunde, Arbeits- und Bildungschancen für geflüchtete Frauen auszubauen, denn nur so können wir Inklusion in Gesellschaft und Wirtschaft erreichen und Frauen und Mütter als Role Models in ihren Familien und Communities Chancen weitergeben. Es braucht aber gendersensible Angebote: Wir wissen, dass Frauen mit Beziehungsarbeit und Kinderbetreuung oft allein sind, d.h. wir brauchen dringend eine flächendeckende und kostenlose Kinderbetreuung und die Vereinbarkeit bei allen Aus- und Weiterbildungen wie auch in Betrieben. Bei Aus- und Weiterbildung macht es Sinn, das wissen wir aus jahrzehntelanger Erfahrung, eigene Frauengruppen zu bilden, um genderspezifischen Hürden gut begegnen zu können, Herausforderungen offen ansprechen zu können und in der PeerGroup einander gegenseitig zu stärken. 

Langfristig brauchen wir Unternehmen und Gemeinden, die mutig sind und gemeinsam innovative Modelle zu Bildung und Arbeit entwickeln – österreichweit. Mit guten Programmen uns ausreichend Ressourcen hätten wir damit auch sehr gute Ansätze gegen Fachkräftemangel und Landflucht.

 

 

Dr.in nora ramirez castillo – hemayat, Betreuungszentrum für Folter- und Kriegsüberlebende

www.hemayat.org

Frauen, die Krieg, Folter und Flucht er- und überlebt haben, sind häufig durch diese Erfahrungen traumatisiert. Manche von ihnen so schwer, dass sie professionelle Unterstützung und Hilfe benötigen. Die Symptome dafür sind vielfältig, ein normales Alltagsleben ist nicht mehr möglich.

“Die psychotherapeutische Betreuung von geflüchteten Frauen, von Opfern von massiven Gewalterfahrungen, bedeutet eine besondere Herausforderung: Bei Hemayat werden Frauen von weiblichem Personal betreut, dass hinsichtlich frauenspezifischer Themen sensibilisiert und geschult ist. Bis die Frauen bei Hemayat ankommen, haben sie oft schon einen langen Leidensweg – auch im Gesundheitssystem hinter sich. Psychische Traumata können sich in körperlichen Symptomen ausdrücken: So haben die Frauen vielfach schon zahlreiche Untersuchungen hinter sich, die jedoch nicht zu einer zutreffenden Diagnose geführt haben. Dies hat einerseits damit zu tun, dass es an Sprachkompetenz im Bereich der Gesundheitsversorgung fehlt. Für eine Diagnostik psychischer Erkrankungen ist Sprache unerlässlich. Andererseits fehlt es auch an kulturspezifischem Wissen. Hier sehen wir einen großen Behandlungsbedarf im Gesundheitssystem allgemein! Leider ist aber auch bei adäquater Diagnose keine ebenso adäquate Behandlung gewährleistet. Um unseren Verein als Beispiel zu nehmen: Wenn wir bei Frauen einen Psychotherapiebedarf festgestellt haben, dauert es bis zu einem Jahr bis wir auch einen Therapieplatz anbieten können. Hier fehlt es an krankenkassenfinanzierten Psychotherapieplätze durch sprachkompetente oder dolmetsch-gestützte Fachkräfte.

  

 

Dr. Ferry maier – allianz “menschen.würde.österreich”

Österreichs Betriebe kämpfen mit einem Fachkräftemangel, der innerhalb der Wirtschaft als größte Gefahr für den Standort wahrgenommen wird, 87% der Betriebe gaben bei einer WKÖ-Befragung an, den Fachkräftemangel selbst zu spüren. Die WKÖ beziffert diesen aktuell mit 182.000 Stellen. Besonders nachgefragt werden Lehrabschlüsse. Dringlichkeit ist auch in der Pflege gegeben.

Trotzdem leisten wir uns europaweit eine Erwerbsquote von <45% bei Frauen mit Fluchthintergrund im erwerbsfähigen Alter, obwohl Frauen aus ihren Herkunftsstaaten ein besseres Bildungsniveau mitbringen als Männer. Mehrfachbelastungen und -diskriminierungen erschweren das Fußfassen am Arbeitsmarkt für Frauen mit Fluchthintergrund noch stärker als bei deren Männern bzw. als bei Frauen aus Österreich oder anderen EU-Mitgliedstaaten.

„Wir müssen die Chance für die österreichische Wirtschaft durch Menschen, die schon in unserem Land sind und hier ein neues Leben mit neuen Perspektiven aufbauen wollen und müssen, endlich wahrnehmen, entsprechende Rahmenbedingungen und Förderungen für eine adäquate Arbeitsmarktintegration umsetzen. Das erwarte ich von der nächsten Bundesregierung. Denn nur, wenn wir niemanden zurücklassen, kommen wir immer weiter“, so Ferry Maier.

Die Resolution „Inklusion geflüchteter Frauen“ enthält diesen Aufruf und Forderungen aus den Bereichen Bildung, Arbeitsmarkt, Gesundheit und Rolle der Frau. Zwei weitere Notwendigkeiten für Inklusion sind unerlässlich: Integration ab Tag 1 in Österreich und eine sichere Existenzgrundlage, heißt: weg mit den Verschärfungen im SozialhilfeGG (Deutsch B1).

„Es gibt auch für unsere Gesellschaft und Wirtschaft so viele Perspektiven durch ein neues Miteinander. Diese müssen wir endlich nutzen – und dabei ganz besonders auf die Bedarfe und Möglichkeiten geflüchteter Frauen schauen. Das kann zum Leuchtturmprojekt der nächsten Bundesregierung im Bereich der Integration werden“, schließt Dr. Ferry Maier.

Resolution an die in den nationalrat gewählten parteien

Sehr geehrte Damen und Herren,

angesichts der anstehenden Sondierungsgespräche und Koalitionsverhandlungen weisen wir auf ein Thema besonders hin, nämlich die Inklusion geflüchteter Frauen in unserer Gesellschaft.

Frauen mit Fluchthintergrund (Anmerkung: Frauen, die aufgrund einer Familienzusammenführung nach Österreich gekommen sind, sind mitgemeint.) sind einerseits vielfach mit spezifischen Herausforderungen konfrontiert, bieten andererseits für unsere Gesellschaft besondere Chancen. Dies wurde bisher im politischen Diskurs zu wenig beachtet.

Einerseits sind geflüchtete Frauen in ihren Herkunftsländern und auf der Flucht besonderen Gefahren ausgesetzt, etwa Übergriffen in Lagern, häuslicher oder sexualisierter Gewalt, Genitalbeschneidung, Menschenhandel. Hinzu kommen in der neuen Heimat Abhängigkeiten, Unsicherheiten und Erwartungen, die Inklusion und Teilhabe erschweren. Frauen gehen mit diesen Erfahrungen unterschiedlich um. Klar ist, dass die Zuordnung einer Opferrolle viel zu kurz greift, denn vielfach entwickeln Frauen Strategien, Netzwerke und Kräfte, um ihr Leben selbst in die Hand zu nehmen und neue Perspektiven zu entwickeln.

So bieten geflüchtete Frauen andererseits vielfältige Möglichkeiten, Netzwerke und Ressourcen, die sie zu wichtigen Stützen unserer Gesellschaft machen können. Diese müssen wir als Gesellschaft zulassen bzw. durch professionelle Begleitung fördern – ohne dabei unsere eigenen Ideale aufzudrücken.

Wir, die TrägerInnen der Initiative „Inklusion | Frauen“ der Allianz Menschen.Würde.Österreich fordern die künftige Bundesregierung auf, sachlich, mit allem angebrachten Respekt und Wissen einen Schwerpunkt zu setzen. Ziel der österreichischen Gesellschaft muss es sein, Frauen und Mädchen in ihren Herkunftsländern genauso wie in Österreich zu schützen und in einem selbstbestimmten Leben zu bestärken, in der neuen Heimat Bildung, Beschäftigung und Teilhabe auf allen Ebene zu ermöglichen, bei der Umsetzung der eigenen Lebensentwürfe zu begleiten und geflüchtete Frauen sichtbar zu machen. Beispielhaft schlagen wir folgende Maßnahmen zur Umsetzung vor:

 

  • Bildung

Deutsch- und Alphabetisierungskurse müssen für Frauen mit Fluchthintergrund, unabhängig davon, ob sie dem Arbeitsmarkt zur Verfügung stehen (z.B. auch während Karenz oder Betreuungspflichten) zugänglich sein, um Teilhabe und Perspektiven zu ermöglichen. Da Asylverfahren nach wie vor Jahre dauern, fordern wir „Integration ab Tag 1“, also, das Angebot von Bildungsangeboten in der Grundversorgung. Deutsch- und Weiterbildungsangebote muss es einhergehend mit Kinderbetreuung geben. Die Kursangebote sollen Alltagsrelevantes, wie Gesundheitssystem, Gleichstellung und Rollenbilder, IT oder Bewerbung beinhalten und Netzwerke stärken.

 

  • Arbeitsmarkt

Wir brauchen eine individualisierte Unterstützung für den Arbeitseinstieg und gleichzeitig Unterstützung für die Betriebe, um passende Strukturen zu schaffen. So sind Projekte wie inclusion@work, Role Models, MultiplikatorInnen in der Community oder MentorInnen in Betrieben beim Job-Einstieg behilflich und bei Unsicherheiten oder Ängsten in der Familie unterstützend.

Um Selbstbestimmung zu ermöglichen, braucht es eine flächendeckende, finanziell unterstützte Kinderbetreuung.

Wir fordern eine möglichst nachhaltige und adäquate Integration am Arbeitsmarkt. Die Notwendigkeiten lassen sich an zwei Beispielen gut ablesen:

a. Eine geflüchtete Kindergartenpädagogin mit dem Wunsch, ihren Beruf fortzuführen, braucht: 1. eine rasche Anerkennung von Abschlüssen und Berufserfahrung, 2. (FacharbeiterInnen-) Intensivausbildungen, 3. ergänzende Aus- und Weiterbildungen (auch in Teilzeit)

b. Der Fachkräftemangel in Österreich wird von UnternehmerInnen als größte Gefahr für den Standort wahrgenommen. Gleichzeitig gibt es unter den Geflüchteten sehr gut qualifizierte Frauen. Hier braucht es 1. eine Kampagne, die diese Chance für Frauen und Betriebe sichtbar macht und 2. ein gefördertes Projekt, um noch fehlende Arbeitserfahrungen sammeln zu können.

So könnte verhindert werden, dass Frauen zwar sehr rasch in den Arbeitsmarkt abgehen, aber hauptsächlich nicht-adäquate Jobs im Niedrigstlohn-Segment annehmen.

 

  • Gesundheit

Die körperliche und psychische Gesundheit eines Menschen stellt eine der grundlegendsten Ressourcen dar, um sein Potenzial auszuschöpfen, und ist ein Schlüsselfaktor für die erfolgreiche Integration von Geflüchteten in Gesellschaft, Kultur und Arbeitsmarkt des Aufnahmelandes.

Für einen ersten Einstieg in das Gesundheitssystem regen wir einen Vorsorgecheck für Kinder und ihre Mütter sowie professionelle und gendersensible DolmetscherInnen (auch Frauen und Videodolmetsch) im Gesundheitssystem an. Mittelfristig sollen bezahlte GesundheitslotsInnen zum Einsatz kommen, also BrückenbauerInnen mit Gesundheitskompetenz aus dem Herkunftsland, die die Brücke zum österreichischen Gesundheitssystem schlagen. Es benötigt Anstrengungen, um eine Aufnahme von Gesundheitspersonal mit sprachlicher und Kulturkompetenz in diversen Funktionen (Hebammen, ÄrztInnen, DGKP, PsychotherapeutInnen) zu etablieren. Und es braucht genügend finanzielle und personelle Ressourcen, um den Bedarf nach Psychotherapieplätzen aufgrund von Fluchttraumata zu decken. Eine adäquate Behandlung hilft den betroffenen Frauen und Familien, bringt langfristig aber auch Kosteneffizienz.

 

  • Rolle der Frau

Frauen haben verschiedenste Rollen inne, die sie aktiv und selbstbewusst ausüben. Trotzdem wurden geflüchtete Frauen im politischen Diskurs der letzten Jahre v.a. als Objekte hinsichtlich eines Kopftuch-Verbotes instrumentalisiert. Es wird Zeit für einen anderen Blickwinkel der Politik und in der öffentlichen Darstellung, wir fordern von der nächsten Bundesregierung Bewusstseinsbildung.

Um Vorbilder und Verständnis zu schaffen in der Mehrheitsgesellschaft aber auch innerhalb der Familie für ein gleichberechtigtes Miteinander, braucht es Beispiele, Netzwerke und AnsprechpartnerInnen aus der Community z.B. durch PädagogInnen mit Migrationshintergrund im ö. Schulsystem.

Basis für jegliche Entwicklung und Teilhabe ist aber eine gesicherte Existenz. Wir fordern daher die Rücknahme der Verschärfungen im Sozialhilfegrundgesetz – die Existenz muss unabhängig vom Sprachniveau gesichert sein. Frauen sind von diesen Verschärfungen durch Betreuungsplichten und kulturelle Begebenheiten noch viel stärker armutsgefährdet, Abhängigkeiten von der eigenen Familie oder dem Ehemann werden noch verstärkt.

Österreich steht vor vielfältigen Herausforderungen, begreifen wir endlich die Zuwanderung von geflüchteten Frauen als Chance, eröffnen sich neue Lösungen und Perspektiven.

DOWNLOAD Pressetext Inklusion geflüchteter Frauen

DOWNLOAD Resolution

RÜCKFRAGEHINWEISE:                

Peter Wesely & Tina Newertal

Pressesprecher Dr. Christian Konrad / Allianz „Menschen.Würde.Österreich“

Tel.: 0664 183 81 40 oder 0676 68 44 156

E-Mail: p.wesely@vwfi.at oder newertal@mwoe.at

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