Erika Pluhar über Rassismus und Fremdenfeindlichkeit

Erika Pluhar, Künstlerin und Vorstandsmitglied von „Österreich hilfsbereit“ – dem Trägerverein der Allianz „Menschen.Würde.Österreich“ – spricht im folgenden Video über Rassismus, Fremdenfeindlichkeit und warum Furcht und Vorurteile gegenüber Geflüchteten dort am intensivsten sind, wo es keine Geflüchteten gibt.

 

Foto (c) Christina Häusler

Vorurteile ergeben sich aus Fremdenfeindlichkeit

Das Thema „Rassismus“ ist in unseren Zeiten leider wieder ein Thema geworden, mit dem man sich sehr auseinander setzen muss. Für mich selber schreibe ich gerne alles immer auf, deswegen werde ich versuchen von diesem Blatt Papier das zu lesen, was ich mir im Moment nicht nur denke, sondern auch fühle.

Das schlimmste Urteil ist das Vorurteil – das hat schon Marie von Ebner-Eschenbach im 19.Jahrhundert gesagt. Und ich finde die schlimmsten aller Vorurteile ergeben sich aus Rassismus und Fremdenfeindlichkeit. Ich meine, wer das Fremde fürchtet und hasst, der bleibt letztlich dieser Welt, auf der er lebt, sich selbst und seiner eigenen Menschlichkeit, fremd. Der weiß letztlich nicht, was Mensch sein bedeutet. Was diese eigene, sehr begrenzte Anwesenheit auf Erden, eigentlich soll. In gewisser Weise lebt er unmenschlich. Wenn man nur den Menschen heutzutage begreiflich machen könnte, dass diese nationalistischen Abschottungsversuche in einer Zeit der weltweiten Völkerwanderungen, nur zu Menschenfeindlichkeit und Totalitarismus führen.

Unsere Welt ist nun einmal aus den Fugen. Dahin haben wir – die Menschheit – es gebracht. Aus ökologischem oder ökonomischem Elend und der Aussichtslosigkeit im eigenen Land menschlich leben zu können, deshalb müssen Menschen ihre Heimat verlassen, wenn sie überleben wollen. Und nur ein Bruchteil derer, die flüchten müssen, sind Geflüchtete in unserem Land. Es wird uns aber weiß gemacht, dass sie alle zu uns wollen. Das ist Lüge.

Wenn hierzulande und zum Teil auch europaweit das Migrationsthema weiterhin die Politik beherrscht, man damit weiterhin die Ängste derer, die das Fremde als Bedrohung empfinden, hochschaukelt, dann dürfen wir uns nicht wundern, wenn uns eines Tages eine neue Form der Diktatur überrollt. Wir fühlen uns vom Fremden bedroht und bedrohlich wächst bei uns so etwas wie ein Polizeistaat, das faschistoide Klima, es droht das Ende der Meinungsfreiheit, der offenen Gesellschaft, der Toleranz, der sozialen Strukturen.

Ich bin 1939 mitten in den 2.Weltkrieg hineingeboren. Damals konnte ich aus der ärmlichen und elenden Nachkriegszeit so erfreulich hochwachsen und ein sich wiederherstellendes Österreich, ein Österreich als Sozialstaat und Sozialdemokratie, sehen. Dinge, die mich auf mein Land stolz sein ließen. All das habe ich selbst als Kind wahrgenommen, war mein allererstes Lebensgefühl.

Lassen wir uns nicht verschaukeln. Es geht uns gut genug um ein wenig zu teilen, ohne unsere Lebensqualität hierzulande gänzlich einzubüßen. Und es wäre so schön, wenn wir uns – so wie es mir jetzt plötzlich geht – unseres schönen Landes, wegen solcher Sachen nicht mehr schämen müssen.

Video

 

Video-Link: https://vimeo.com/299840206