Wir sind viele und wir sind solidarisch – dieses Gefühl erreichte Sonntagvormittag über 400 Gäste im theater akzent bei der Matinée der Allianz „Menschen.Würde.Österreich“. Der Einladung der beiden Initiatoren Dr. Christian Konrad und Dr. Ferry Maier waren Engagierte aus der Zivilgesellschaft aus ganz Österreich ebenso gefolgt wir Interessierte aus Wirtschaft, Kultur und Politik. Die Matinée, moderiert von Michael Ostrowski, war ein großes Dankeschön für das Engagement und eine große Motivation einer immer breiteren Allianz, die gemeinsam arbeitet, aufsteht und dagegenhält.

 

 

Arbeit als Schlüssel der Integration

„Wichtig ist, dass ich und meine Freunde hier arbeiten können“, sagt M., junger Mann aus Afghanistan, der nun im 3. Lehrjahr als Bäcker ausgebildet wird. Anders als viele seiner Freunde hat er zwar mittlerweile einen Aufenthaltstitel, allerdings als subsidiär Schutzberechtigter – muss also nach wie vor mit der Unsicherheit vor einer Aberkennung und Abschiebung in sein Herkunftsland leben.

Wirtschaft für ein #modernesBleiberecht

Journalistin Ulla Kramar-Schmid ging im Gespräch mit ihren PodiumsteilnehmerInnen Anita Tossmann (Ehrenamtliche, Peuerbach), Barbara Eckereder (GF Tischlerei Eckereder), LR Rudi Anschober, Reinhold Mitterlehner und Dr. Christian Konrad der Frage nach: Warum wir Zuwanderung brauchen. Fest steht für alle: Österreich braucht Zuwanderung und Österreich ist bereits vielfältig. Zeit, dass auch die Politik ein #gutesMiteinander fördert.

 

 

Fehlende Lehrlinge und Fachkräfte als größtes Standortproblem

„Allein in Oberösterreich fehlen lt. Progrnosen bis ins Jahr 2030 130.000 FacharbeiterInnen, derzeit sind rund 4.200 Lehrstellen offen“, nennt LR Anschober Zahlen.

Dieses Faktum haben Anita Tossmann und Barbara Eckereder für die Integration von Asylwerbenden in Lehre genutzt: Tossmann hat für dutzende Geflüchtete ihrer Heimatgemeinde Peuerbach Lehrstellen (in Mangelberufen) gesucht – und gefunden. Und dabei miterlebt, wie viel diese Beschäftigung, die Arbeit und Ausbildung, das Miteinander mit KollegInnen und FreundInnen für Geflüchtete bedeutet.

Barbara Eckereder sucht seit Jahren oftmals vergeblich nach guten Tischler-Lehrlingen, dann hat sie sich für einen jungen Afghanen entschieden – und hat es noch niemals bereut. Aber wie soll’s weitergehen? Die Zukunft ihres Lehrlings ist unsicher, der Zugang von Asylwerbenden in die Lehre durch die Bundesregierung gestoppt. „Wo bleibt bei diesem gravierenden Standortproblem für unsere Betriebe unsere Vertretung, die Wirtschaftskammer?“, fragt Eckereder.

„Wer jetzt – wie die Bundesregierung -bei der Integration spart, spart am teuersten. So provoziert man Probleme und Konflikte und ich habe den Eindruck manche Teile der Bundesregierung wollen genau das, um ihre Geschäftsgrundlage zu erhalten“, reagiert darauf Rudi Anschober. Vor über einem Jahr hat Anschober die Initiative „Ausbildung statt Abschiebung“ gestartet, mit derzeit schon 67.000 UnterstützerInnen der Petition, aus Wirtschaft, Gemeinden und von prominenten Stimmen, Hermann Maier bis Erwin Pröll. Abschließend sagt er: „Wir geben nicht nach. Sie werden sich noch wundern.“

 

Österreich als Einwanderungsland

Reinhold Mitterlehner sieht Österreich schon seit langem als Einwanderungsland und wendet sich gegen die derzeitige Unterscheidung zwischen ÖsterreicherInnen und Nicht-ÖsterreicherInnen: „Die, die da sind, sind die ÖsterreicherInnen.“

Hinsichtlich des Facharbeitermangels kritisiert er die Bundesregierung: „Menschen, die jetzt schon in Lehre sind, bekommen Negativbescheide oder wird ihnen ein Status als subsidiär schutzberechtigt aberkannt. Gleichzeitig werben wir im Ausland Fachkräfte an. Das ist makroökonomisch falsch, man könnte auch sagen unvernünftig.“

 

„Politik muss den Menschen folgen“ – modernes Bleiberecht

„Integration ist nicht nur eine soziale Frage, sondern auch eine ökonomische. Schon seit 2015 wurde durch das Engagement der BürgermeisterInnen deutlich, dass dort, wo die Politik nahe bei den Menschen ist, auch menschengerechte und sachgerechte Lösungen gefunden werden. Ich sage: Nicht das Recht muss der Politik folgen, sondern die Politik den Menschen,“ geht Christian Konrad auf die letzte innenpolitische Diskussion ein.

Für Konrad ist die Lösung in der Frage von bestens integrierten Personen, wie Lehrlingen oder Menschen mit Jobs in Aussicht, völlig klar: Ein #modernesBleiberecht, umzusetzen über das Niederlassungs- und Aufenthaltsgesetz unter Mitbestimmung der Bundesländer und Gemeinden soll Personen, die unser Land bereichern, in Österreich behalten – ganz unabhängig vom Asylverfahren.

Die Petition #modernesBleiberecht ist online unter aufstehn.at/modernes-bleiberecht zu finden.

 

Seite an Seite mit Kulturschaffenden

„Ich freue mich, wenn ich international und auch hier und heute ein Österreich der Mitmenschlichkeit repräsentieren darf“, so Percussions-Weltstar Martin Grubinger, der gemeinsam mit Yuja Wang den Vormittag eröffnete.

 

Künstlerinnen und Künstler zeigten aus ihren aktuellen Programmen Sequenzen zum Nachdenken, zum Lachen, zur Stärkung, der Kritik und des Dankes für die Zivilgesellschaft – kuratiert von Hilde Dalik, moderiert von Michael Ostrowski. Hilde Dalik führt selbst den Verein „chong“, der Geflüchtete durch Schauspielern und Deutschlernen beschäftigt und Geflüchteten eine neue Familie bietet.

Auf der Bühne ging es weiter mit Systemkritik und Frauenrechten der Formation GUSTAV. Kabarettist Josef Hader spannte den Bogen von Erdbeerjoghurt und enthaltenen Sägespänen bis zu seinem Bruder, Bauer im Mostviertel und dem ewigen Stadt-Land-Gemetzel – bis hin zur Überzeugung, dass früher wirklich alles besser war, zumindest für Ludwig XIV.

 

 

Dirk Stermann und Christoph Grissemann zeigten sich angeschlagen und mit Weltschmerz auf der Bühne, Selbstmordgedanken sind auch ihnen nicht fremd – trotz Pointen und Gelächter.

 

Mit „Sing dagegen an“ schärfte Erika Pluhar zum Abschluss der Matinée allen Gästen ein dagegenzuhalten, laut zu sein, gemeinsam aufzustehen – und setzte „Imagine“ für ein kollektives Gänsehautgefühl noch nach.

(c) Fotos: Menschen.Würde.Österreich / Susanne Reiterer

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