Brutal gut vernetzt – LungauerInnen für Menschen

Brutal gut vernetzt – LungauerInnen für Menschen

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Es war ein simples SMS, das die Leben von Magdalena Schrempf und Ines Fingerlos auf den Kopf stellte. „96 Flüchtlinge kommen Ende der Woche nach Tamsweg“, war darin zu lesen. „Die Info kam damals irgendwie über die Gemeinde, hier kennt ja jeder jeden“, erzählt Schrempf. Heute leiten die beiden Salzburgerinnen den Verein „LungauerInnen für Menschen“. Warum sie das tun, hat einen simplen Grund: „Wenn ich auf der Flucht bin, dann hoffe ich auch, dass es Menschen gibt, die mich unterstützen“, sagt die junge Frau, die nicht nur in ihrer Freizeit hilft, sondern auch beruflich als Sozialarbeiterin arbeitet.

Aus Helfen wird Freundschaft

Rotes Kreuz und Hilfswerk, die Betreiber der beiden Flüchtlingsunterkünfte am Ortsrand von Tamsweg, brauchten im Juli 2015 helfende Hände in der Versorgung der Neuangekommenen. Schrempf erklärte sich bereit, dreimal täglich bei der Essensausgabe zu helfen, und Fingerlos half bei Organisatorischem. So merkten die zwei Frauen, dass es im Quartier an Kleidung und vielem anderen fehlte. Zuerst kannten die beiden ehrenamtlichen Flüchtlingshelferinnen einander gar nicht, halfen unabhängig voneinander in den beiden Unterkünften. Zwischen den Frauen ist aber mittlerweile eine Freundschaft entstanden.

Zu tun gibt es bis heute genug. Gerade eben brachte Magdalena Schrempf eine Asylwerberin zur psychiatrischen Abklärung nach Schwarzach im Pongau. Weil die 5500-Einwohner-Gemeinde Tamsweg auch sonst, was die Hilfe in sozialen Notlagen betrifft, eher subobtimal versorgt ist, steht der Verein „LungauerInnen für Menschen“ auch für Nicht-Flüchtlinge offen. Der „Kleiderkasten“ war zu Beginn in erster Linie eine Kleiderabgabestelle für neu angekommene Asylwerber, die rasch mit dem Nötigsten versorgt werden mussten. Er war allerdings von Anfang an auch ein offener Tauschladen für alle Menschen, die in der Region leben.

Gestartet wurde LungauerInnen für Menschen aber 2015 als Integrationshilfe für Neo-Tamsweger. Eine Schar Freiwilliger tat sich damals zusammen, um anzupacken, wo es notwendig war: Essen und Bekleidung verteilen, die Unterstützung bei Arztbesuchen bis hin zur Vermittlung gemeinnütziger Arbeiten und Fahrtendienste. „Als der günstige Supermarkt Hofer in Tamsweg wegen eines Umbaus zugesperrt war, organisierten wir ein regelmäßiges Hofertaxi nach St. Michael“, erzählt Schrempf. Man organisiert eben, was gebraucht wird.

Der Kleiderkasten

Pünktlich um 15 Uhr warten schon die ersten Kunden, aber auch Spender mit Kleidersäcken, vor dem Lokal am Postplatz in Tamsweg. Das geräumige Lokal ist mit Regalen und Kleiderständern eingerichtet. Neben dem Tauschen von Bekleidung, ist der „Kleiderkasten“ auch ein Ort der Begegnung: Flüchtlinge sortieren hier gemeinsam mit Alteingesessenen die Spenden, ein kleiner Bub wird von den Erwachsenen abwechselnd bespaßt und nebenbei gibt Schrempf einer jungen Frau aus Syrien Tipps, wie sie eine Lehrstelle finden kann.

In der Region sind Fingerlos und Schrempf mittlerweile allen mit der Flüchtlingsthematik befassten Menschen bekannt. „Wenn alle Stricke reißen, dann ruft man uns an“, erzählen die beiden, „auch die Gemeinde.“

Es gibt aber auch Dinge, die den beiden Frauen fehlen. „Geholfen hätte uns ein klares Bekenntnis der Lokalpolitik, dass Integrationsarbeit wichtig und wertvoll ist“, sagt Fingerlos. Viele Helferinnen und Helfer der erste Stunde hätten sich mittlerweile wieder zurückgezogen, erzählen die beiden Frauen. Zum einen, weil es weniger Asylwerber in Tamsweg gibt, zum anderen aber auch, „weil eine Unterstützung der Politik es auch leichter gemacht hätte, zu helfen“. Magdalena Schrempf und Ines Fingerlos sind zum Glück mit einigen anderen geblieben. Und das auch aus einem ganz pragmatischen Grund: „Die Leute sind jetzt hier. Da muss man das Beste draus machen.“

Foto: Christof Mackinger

Besuch: Christof Mackinger